Kirche im Juli

Der Ball rollt

05.07.2024


Der Ball rollt

Während ich das hier schreibe, kickt die Nationalmannschaft sich vermutlich gerade für die EM warm. Nachdem wir beim Freundschaftsspiel gegen die Niederlande schon den Glauben an Deutschland als Fußballnation wiedergewinnen konnten, waren die Testspiele gegen die Ukraine und Griechenland zumindest aufschlussreich. Jetzt heißt es vorbereiten und wenn ab Mitte Juni dann der Ball rollt, sind wir vor dem Fernseher dabei: daheim auf dem Sofa, beim Grillen mit Freunden, zusammen vor der großen Leinwand. Auf dem Rasen stehen wir selbst nicht, aber dabei sind wir trotzdem, werden mitfeiern und mitfiebern, zusehen wie neue Helden geboren werden und uns selbst in je einen weiteren von 84 Millionen Bundestrainern verwandeln. Wenn es um den Fußballstolz geht, können schließlich sogar wir Norddeutschen leidenschaftlich werden. Wird es ein neues Sommermärchen? Man darf ja noch hoffen und spätestens am 14. Juli wissen wir es. Vermutlich haben Sie als Leser mir da schon etwas voraus. Und dann? Dann ist die Show vorbei.

So schön es ist, beim Fußball zuzusehen, sosehr finde ich es manchmal doch auch lustig, mit welcher Leidenschaft wir 22 Männern zuschauen, die einem Ball hinterherlaufen. Als ob es wirklich, also wirklich einen Unterschied für mein Leben machen würde, wer am Ende den Pokal in der Hand hält. Gesünder werde ich davon nicht, mehr Geld bringt mir das auch nicht aufs Konto und die Geschichte, wie Fußballergebnisse Ehe- oder Erziehungsprobleme gelöst haben, muss ich erst noch hören. Einerseits begeistert es auch mich, anderen zuzusehen, etwas zu erreichen, was ich selbst nie könnte. Andererseits habe ich doch auch selbst ein Leben zu leben.

Über sportlichen Wettkampf hat die Bibel einiges zu sagen. Der Apostel Paulus beschreibt, wie die Sportler sich auf ihren Einsatz vorbereiten, wie sie sich fit halten, trainieren, nur bestimmte Nahrung zu sich nehmen. Das verlangt ihnen einiges ab, aber es ist es wert, denn sie haben ein Ziel vor Augen und das wollen sie erreichen, um jeden Preis. Der Unterschied zur EM: Im Sport des Lebens hat keiner von uns die Option, nur auf dem Sofa zu sitzen und zuzusehen. Wir müssen selbst ran, auch wenn uns das was kostet. Außerdem, in den Worten von Paulus: „Sie kämpfen, um eine vergängliche Trophäe zu gewinnen. Wir tun es für eine unvergängliche Trophäe.“ Darum „lauft so, dass ihr sie gewinnt!“ (1 Korinther 9,24-25)

Wahrscheinlich werde ich mich vom EM-Trubel mitreißen lassen, aber es ist gut, dass er auch irgendwann vorbei ist und ich mich wieder meinem Alltag stellen muss, entscheiden muss, worum ich selbst kämpfen will, wofür es sich in meinem Leben ins Zeug zu legen lohnt. Schließlich will ich mein Lebensspiel gewinnen. Im Gegensatz zum Fußball muss ich dazu nicht einmal ein herausragendes Ausnahmetalent sein. Der Unterschied? Mit Jesus Christus ist einer mein Mannschaftskapitän, der das Spiel des Lebens nicht nur schon lange gewonnen, sondern die Regeln neu erfunden hat. Alles was ich tun muss ist, ihn fest im Blick zu behalten.

Einen schönen Sommer wünscht
Ihr und Euer Pastor Konrad Otto