Kirche im März

Öffne mir die Augen

06.03.2026


Öffne mir die Augen …

… inmitten all der Bilder und Schlagzeilen, inmitten all der Stimmen und Meinungen, inmitten allen Ärgers und aller Entrüstung. Lass mich erkennen, was wahr ist und was wichtig, wo du meinen Zorn teilst und wo Ärger niemanden weiterbringt, wo ich einen Unterschied machen kann und wo nicht.

Öffne mir die Augen – inmitten all der Möglichkeiten und Entscheidungen, an den Kreuzungen, an denen ich einen Weg wählen muss, und am Ende der Sackgassen, in die ich mich verirrt habe. Lass mich erkennen, wohin du mich führst, wer ich bin und werden soll, was wahr ist und was wichtig.

Öffne mir die Augen – dort, wo wir auseinanderdriften, aneinander vorbeireden, wo ich die Menschen, die ich liebe, nur noch verzerrt sehe. Lass mich erkennen, was wahr ist und was wichtig, was sie wirklich meint und was er wirklich sagt, was sie hort, wenn ich spreche, und was du willst, dass ich sage.

Die Evangelien erzählen, wie ein blinder Bettler erfährt, dass Jesus auf dem Weg an ihm vorbeikommen wird: „Da rief er laut: ‚Jesus, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!‘ … Da blieb Jesus stehen und sagte: „Was willst du? Was soll ich für dich tun?‘ Der Blinde antwortete: „Herr, dass ich sehen kann!“ (Lukas 18,38–42). Jeder Gottesdienst, den wir feiern, beginnt mit dem Ruf des blinden Bettlers: „Herr, erbarme dich! Kyrie eleison!“ Jetzt gerade in der Fastenzeit bekommt dieser Ruf eine besondere Bedeutung.

Denn die Wochen bis Ostern stehen ganz im Zeichen der Bitte, die mit ihm verbunden ist: „Öffne mir die Augen!“ Als er dem blinden Bettler begegnet, ist Jesus auf dem Weg nach Jerusalem, um dort zu sterben.

Nicht allein als Opfer eines Justizirrtums, wie es oft heist. Sondern auch und vor allem fur unsere Sünden, wie es die Bibel immer und immer wieder sagt, ganz gleich, wie fremd das fur uns klingen mag. Jesus geht diesen Weg, um mir die Augen zu öffnen fur das Böse, das ich tue, und das Gute, das ich unterlasse, fur meine blinden Flecken und meine Fehler, die ich leugne, fur die Probleme, die mit mir beginnen – und für die er die Losung ist. Er stirbt, um mir die Augen für all das zu öffnen, was ich erst sehen kann, wenn ich ihm begegne und nach ihm rufe – auch wenn ich manches davon zunächst nicht wissen will und hören kann: „Die Leute, die vor Jesus hergingen, fuhren den Blinden an: ‚Sei still!‘ Aber der schrie noch viel lauter: „Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“ Er stirbt, um mir einen Weg zu bahnen, durch all das Kaputte, durch alle Dunkelheit hindurch. „Öffne mir die Augen!“, ruft ihm der Blinde zu. „Öffne mir die Augen!“, rufen auch wir in diesen Wochen: Lass uns erkennen, was wahr ist und was wichtig ist, wer wir sind und wer wir werden sollen. Lass uns erkennen, wer du bist und was du vorhast mit uns und dieser Welt. „Und Jesus sagte zu ihm: ‚Du sollst sehen konnen! Dein Glaube hat dich gerettet.‘“

Ihr und Euer

Pastor Konrad Otto