Kirche im April

Ostergedanken

30.03.2025


Liebe Dassendorferinnen und liebe Dassendorfer,

„Entsetzt euch nicht!“ Jahr um Jahr zum Osterfest wird die Geschichte erzählt, wie die Frauen am dritten Tage zum Grab kommen, um dem Leichnam Jesu die letzte Ehre zu erweisen, nur um das Grab leer vorzufinden. Anstelle des Toten sitzt dort ein geheimnisvoller Himmelsbote und verkündet ihnen die Osterbotschaft: „Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden. Er ist nicht hier“ (Markus 16,6). Wie oft habe ich diese Worte gehört, selbst vorgelesen, darüber gepredigt? Aber manchmal müssen die äußeren Umstände stimmen, um wirklich hinzuhören. Denn den Satz, mit dem der Engel seine Worte einleitet, nehme ich dieser Tage zum ersten Mal bewusst wahr: „Entsetzt euch nicht!“

Entsetzen trifft das Grundgefühl der vergangenen Wochen und Monate gut. Egal, wo man politisch oder weltanschaulich steht und ganz gleich, ob man die Bühne der Weltpolitik, Berlins oder auch nur der Kirchen in unserem Land betrachtet, wird eines immer deutlicher. Es gab ein System, in dem wir uns so behaglich eingerichtet hatten, dass wir es für selbstverständlich hielten. Und dieses System beginnt, sich unwiederbringlich aufzulösen – in einem Tempo, das wir nicht haben kommen sehen. Was die Zukunft letztendlich bringen wird, kann keiner sagen. Aber das Gefühl, das mir aus den Kommentarspalten der Zeitungen und in vielen Gesprächen entgegenschlägt, ist blankes Entsetzen.

„Entsetzt euch nicht!“, ist da leicht gesagt. Ich will auch nicht behaupten, dass es mir selbst gelingt. Aber ich will es mir gerade in diesem Monat, in dem wir das Osterfest feiern, doch gesagt sein lassen. „Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden. Er ist nicht hier.“ Wer diese Worte hört, dem wird ein Rettungsanker zugeworfen. Selbstverständlichkeiten mögen sich auflösen. Weltreiche mögen ins Wanken geraten. Christus mag am Kreuz zu Tode gemartert werden. Doch wer auf die Osterworte hört, erhascht einen Blick hinter die Fassade unserer Wirklichkeit. Und in der Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit herrscht ein Gott, der noch aus dem Tod Leben hervorbringt und uns in genau dieses Leben hineinziehen will.

Die Glaubensgeschwister, die uns vorangegangen sind, und wirklich erfahren mussten, wie die Burgen dieser Welt um sie her in Trümmer brechen, könnten uns davon erzählen. Sie könnten davon erzählen, wie sie inmitten ihres Entsetzens entdeckt haben, was wirklich zählt und dass sie manche Sicherheiten verlieren mussten, weil Gott mit ihnen gar nichts zu tun hatte. „Er ist nicht hier!“ Sie könnten uns von ihrem Schmerz erzählen aber auch davon, dass der Rettungsanker, den Gott uns am Ostermorgen zuwirft, hält, wenn alles andere fällt. Und sie würden uns zurufen: Er ist auferstanden. In ihm ist das Leben. Und anders als damals in der Grabeshöhle ist er da, bei uns. Entsetzt euch nicht!

Gottes Segen auf dem Weg zu Ostern und darüber hinaus wünscht Ihnen und Euch

Pastor Konrad Otto